Erlauber-Manifest

„Ich erlaube dir, Mensch zu sein.“

Führungskultur sendet ständig implizite Botschaften: Sei stark. Sei entschieden. Zeige keine Schwäche. Habe immer eine Antwort. Sei immer verfügbar. Wachse ohne Ende.

Diese Botschaften sind nie offen ausgesprochen. Sie zeigen sich in dem, was gelobt wird und was nicht, in den Karrieren, die gemacht werden, und denen, die ausbleiben, und darin, was in Meetings sagbar ist.

Das Erlauber-Manifest antwortet darauf mit einem Zuspruch von innen, ohne Kritik von außen: Du darfst anders sein. Du darfst menschlich sein. Du darfst in Widersprüchen leben – und trotzdem führen.

Die zwölf Erlaubnisse

  • Ich erlaube dir, nicht alles zu wissen.

    Statt: immer eine Antwort haben zu müssen.

  • Ich erlaube dir, Fehler zu machen.

    Statt: dich in Perfektion erschöpfen zu müssen.

  • Ich erlaube dir, unsicher zu sein.

    Statt: immer Sicherheit ausstrahlen zu müssen, die du nicht fühlst.

  • Ich erlaube dir, Grenzen zu haben.

    Statt: immer verfügbar und immer bereit zu sein.

  • Ich erlaube dir, bewegt zu sein.

    Statt: professionelle Distanz als Zeichen von Stärke zu deuten.

  • Ich erlaube dir, langsam zu werden.

    Statt: Geschwindigkeit als Gütezeichen zu behandeln.

  • Ich erlaube dir, um Hilfe zu bitten.

    Statt: allein durchhalten zu müssen, bis nichts mehr geht.

  • Ich erlaube dir, andere zu brauchen.

    Statt: Unabhängigkeit als das höchste Ideal zu leben.

  • Ich erlaube dir, nicht weiterzuwachsen – manchmal.

    Statt: permanente Entwicklung als Pflicht zu empfinden.

  • Ich erlaube dir, eine andere Meinung zu haben.

    Statt: Konsens zu erzwingen, der niemanden ehrlich vertritt.

  • Ich erlaube dir, dich zu verändern.

    Statt: konsistent wirken zu müssen, wenn du innerlich längst woanders bist.

  • Ich erlaube dir, Mensch zu sein.

    Mit allem, was dazu gehört: Licht und Schatten, Kraft und Erschöpfung, Klarheit und Zweifel.

Führung beginnt mit Erlaubnis.
Zuerst dir selbst gegenüber.
Dann anderen.

Warum Erlaubnis zählt

Das Erlauber-Manifest klingt weich, verlangt aber einiges. Führungskräfte, die sich selbst keine Menschlichkeit erlauben, erlauben sie bewusst oder unbewusst auch anderen nicht. Sie schaffen Kulturen, in denen Schwäche versteckt wird, bis sie explodiert.

Erlaubnis ist die Grundlage für psychologische Sicherheit, und zwar als Haltung, die man lebt, mehr als ein Konzept, das man einführt. Ein Erlauber setzt keine Grenzen herab. Er hebt die unsichtbaren Grenzen auf, die verhindern, dass Menschen ihr Bestes geben.

Das Manifest darf gern an der Wand hängen. Gedacht ist es aber für den Moment, in dem du dich dabei ertappst, dich selbst zu einem Standard zu halten, dem kein Mensch langfristig gerecht werden kann.

Material zum Download

Erlauber-Manifest: alle zwölf Erlaubnisse als gestaltetes PDF zum Ausdrucken, Aufhängen oder Weitergeben.

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